Unsere Selbsthilfegruppe richtet sich an schwule Männer mit Depressionen aus ganz unterschiedlichen Gründen, z.B. Beziehungsprobleme, Trennung, Verlust von Angehörigen und Freunden, Ängste und Einsamkeit, gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Belastungen am Arbeitsplatz. Häufig liegt die Ursache auch in negativen Glaubensmustern, die wir durch frühkindliche Prägungen oder gar Langzeittraumata verinnerlicht haben.
Heute sind Depressionen die am häufigsten diagnostizierte Krankheit in der westlichen Welt. In Deutschland leiden etwa 8-10 % der Bevölkerung an Depressionen. Das entspricht rund 5 bis 8 Millionen Menschen aller Altersgruppen. Schwule Männer sind tatsächlich noch häufiger betroffen, da viele von uns mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert sind. Gründe hierfür können beispielsweise Diskriminierung im persönlichen Lebensumfeld, Coming-out Stress oder posttraumatische Belastungsstörungen sein, und wenn es "nur" das Gefühl ist, sich in dieser Welt fremd zu fühlen, nicht dazuzugehören, sei es in der eigenen Familie, unter Freunden oder am Arbeitsplatz.
Wir treffen uns jede Woche, um in einem geschützten, vertrauensvollen Rahmen über unsere Sorgen und Ängste zu sprechen. Hier kannst du offen über deine Gefühle reden, ohne Angst vor Vorurteilen oder Missverständnissen. Ebenso bringen wir natürlich auch gerne unsere Erfolge und kleinen Siege im Alltag zur Sprache. Dieser Austausch hilft uns, voneinander zu lernen und Mut zu fassen.
Ob du bereits professionelle Hilfe in Anspruch nimmst oder gerade erst den ersten Schritt in Richtung Unterstützung machst – du bist willkommen. Gemeinsam möchten wir zeigen, dass niemand mit seinen Schwierigkeiten allein sein muss.
Da Depressionen nicht selten leider auch zu sozialer Isolation führen, unternehmen wir gerne etwas zusammen. Jeder kann nach seinen Interessen Vorschläge in unsere WhatsApp-Gruppe stellen, sodass sich z.B. für Kneipe, Kino, Ausstellung oder Spaziergang immer ein paar Leute zusammenfinden. Mehrfach im Jahr machen wir auch einen gemeinsamen Tagesausflug ins Umland.
Die Gruppe beginnt mit einer Eingangsrunde, in der jeder, der mag, erzählt wie es ihm gerade geht und was ihn beschäftigt.
Nach einer kurzen Pause beginnt dann die zweite Runde, in der wir ein oder zwei Themen näher betrachten.
Fragen, die in der Eingangsrunde von Bedeutung sein können, weil Gedanken und Gefühle bei Depressionen häufig eine entscheidende Rolle spielen:
Wie fühle ich mich gerade
Welche Gedanken gehen mir in den letzten Tagen häufig durch den Kopf?
Was hat mich in der letzten Woche belastet, geärgert, besorgt, geängstigt und wie bin ich damit umgegangen?
Was habe ich erlebt, das mich zum Nachdenken gebracht?
Was ist mir gelungen, worüber ich mich freuen oder sogar selbst loben konnte?
Was hat mir Freude gemacht, was habe ich genießen können, wobei habe ich die Zeit vergessen?
Was passiert mir immer wieder, wo ich mich im Kreis drehe, wo ich nicht weiter weiß?
Welche Gedanken kreisen in meinem Kopf, wenn ich nachts wachliege?
Wofür habe ich mich in letzter Zeit selbst verurteilt oder geschämt?